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GERMAN ROCK

 

Bis zum Release von Mellow Blue war schwer abzusehen, wohin Silke Haucks musikalische Reise führen würde. Weder Pop noch Rock, weder Chanson noch Jazz, Blues oder Soul sind ihr fremd. Ihre Scheiben sind vielseitig, sowohl heterogen in sich als auch in Bezug zueinander. Frozen Tears gibt den musikalischen Bestrebungen der Mannheimer Chanteuse erstmals eine Richtung, indem es den mit Mellow Blue eingeschlagenen Weg ausbaut. In der Regel ruhige, kühl-jazzige Instrumentierung bildet die Grundlage für von Blues- und Soul-Gesang bestimmte Stücke. Auch besetzungstechnisch werden teils bekannte Namen aufgefahren: Jochen Seiterle (g), Freddie Münster (sax) und Roland Preuss (vibra) kennen wir vom letzten Album, diesmal u.a. ergänzt um Michael Quast (Tasten), Cay Rüdiger (dr), Sebastian Flach (b), Thomas Siffling (tr) und Michael Koschorreck (g). Wo der Neckar in den Rhein mündet, kann Silke Hauck aus dem Vollen schöpfen, wenn es um die Perfektionierung der von ihr und Produzent Michael Bundt erdachten Musik geht. Diese braucht keinen Sticker à la "deutsche Antwort auf ..." oder "mit dem Gitarristen von...". Silke Hauck ist trotz illustrer Begleitung in Vergangenheit und Gegenwart ganz sie selbst, eine Klasse für sich, und durchaus fähig, der internationalen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Sie hat Recht, wenn sie an sich glaubt. Man kann dieses Selbstbewusstsein förmlich hören. Stücke wie der funky Opener Everybody oder das sehr langsame After The Good Years, der Latino-Track Day By Day oder das verträumte Almost Springtime empfehlen handgemachte Musik an Hörer, die solche auch zu schätzen wissen.

 

Jürgen Hornschuh