TRÄNEN AUS EIS SCHMELZEN IN DER LIEBE DAHIN

 

Silke Hauck stellt im Danzi-Saal ihre neue CD vor

Vom ersten bis zum letzten Ton lief eine Performance der Extraklasse ab. Sehnsüchtiges Warten als nie sterbende Hoffnung auf den Frühling des Lebens und der Liebe, das ewige Auf- und Untergehen der wärmenden Sonne und die tägliche 24-Stunden-Rallye auf der Zuwendungschleife ziehen den rosaroten Faden der Gefühle und Enttäuschungen durch fast alle Texte. Im Titelsong "Frozen Tears" lässt der Winter für die Menschheit keine Chance auf Erwärmung, "die Leute die ich traf haben Herzen, die kälter sind als Eis und Schnee". Halbton-Steps gehaucht, vom Flügel geslized und gegengedrückt, erzählen von der Kälte im Miteinander der Menschen. "Der Himmel weint!" Dann lassen Blues und Co. Den Shuffle am rollenden Flügel zur aggressiven Kraft des Lebens anschwellen. Im Gegensatz zu manchen "Stimmchen" der Rock- und Popszene hat Silke ihr Publikum voll im Griff, bringt sich ganz ein, lässt in Gestik und Mimik ihre rauchig-fetzige Stimme das ganze Spektrum einer Combo mitswingen, vom Partner am Flügel mal satt unterlegt, mal hochsensibel angetupft ­ ein Genuss für Ohr und Auge. Ob Eigengewächse aus der neuen CD oder Coverversionen von Mariah Carey und den Andrews Sisters, hier wird nicht gedoubled und gekleckert. Hier wird musikalisch voll geklotzt. Ein absolut heftiges Piano-Solo von Michael Quast lässt den Flügel fast abheben. Silke lebt die Chorusse mit dem ganzen Körper mit, gibt noch einen Kick drauf, jazziges Blues-Theater in feinster Anschlagtechnik holt die letzten Hände zum Applaus. Leicht verzogene Phrasierungen, Scat-Parts und Reibeeffekte zwischen Stimme und Saiten drücken eine Menge Drive in die Chorusse, punktgenau eingesetzt und damit noch wirkungsvoller präsentiert.

 

Carlo Weippert, SCHWETZINGER ZEITUNG 23.April 2007